01.11.2026 – Sonntag, Parole Emil, Malatang

November? Das kommt dann jetzt doch etwas plötzlich, oder? Gefühlsmäßig stecke ich immer noch im Spätsommer fest, aber es ist schon auch einiges passiert in den letzten Wochen, inklusive Wintermantel. Hmm. Na gut, wird schon stimmen.

Erfreulich ist das Ausschlafen. Leider muss ich kurz vor 9 aufs Klo und dann springt der Kopf an, sonst hätte ich vielleicht noch länger durchgehalten. Auf den Kopf folgt bald der Magen, drum unterbreche ich den morgendlichen Reboot mittendrin und mache erstmal ein veritables Sonntagsfrühstück zurecht, dass ich dann qua Sonnenschein auch noch auf dem Balkon einnehme. Ich komme mir ganz verwegen vor, stelle aber später am Tag fest, dass das auch 2025 und sogar schon 2014 ebenfalls so passierte.

London Fog richtig, mit aufgeschäumter Milch und endlich Vanillesirup. Nussmüsli mit gerieben Apfel, Frühstücksei. Käsebrot. Brot mit Erdnussmus und Quittengelee, letzte Trauben

Nach dem Essen wird gebloggt, gesprachübt und gerätselt. Zum Schluss ist die Sonne hinter Wolken und ich krabble lieber wieder zurück ins Bett und wärme mich auf. Gegen 14 Uhr ist dann endgültig Aufstehzeit und Haushaltsrumrödelei aller Art.

Dann gibt es als Mittagssnack eine letzte Karotte mit Kichererbsen-Avocado-Dip und um 16 Uhr verlasse ich das Haus und fahre aufgrund der akuten Öffi-Unbill mit einer anderen Straßenbahn in den Wedding und von dort mit der U-Bahn nach Südberlin. Immerhin komme ich so zu längerem ungestörten Weiterlesen im Buch, in dem sich nach längerer Tändelei der Plot wieder verdichtet.

Ich treffe den Liebsten und das Teilzeitkind am Kino, wir decken uns mit Popcorn, Nachos, Getränken und Süßkram ein (plus Tickets ist das zu dritt ein Spaß von knapp 77 Euro…) und nehmen dann in unseren Kinosesseln Platz.

Das Kino gibt sich wirklich Mühe, den Komfort des heimischen Sofas nachzuahmen. Die Sessel lassen sich zu Liegesesseln ausklappen und dazwischen ist genug Platz für Getränke und Snacks. Hat dann aber eben auch was von zuhause für sich Filmgucken, geradezu eine Besucher*innenvereinzelungsanlage. Der Liebste und ich müssen uns ganz schön anstrengen, um Händchen zu halten und bis zum Teilzeitkind rüberbeugen, um sich Kommentare zuzuflüstern ist ein ganz schöner Akt. Irgendwo las ich neulich etwas darüber, dass sich in den letzten 100 Jahren die Freizeit immer stärker individualisiert hat und selbst, wenn man etwas gemeinsam macht, macht man es eigentlich separat für sich. Das war im Kontext eines Artikels zu Arbeitskultur, irgendwas mit Gemeinschaft schaffen im Büro oder am Band und Gemeinschaft rausholen im Privaten, damit sich niemand auflehnt gegen den Kapitalismus. Hmm.

Die neue Emil und die Detektive-Verfilmung ist jedenfalls wirklich empfehlenswert. Natürlich müssen plottechnisch ein paar Löcher gerissen werden, damit die fast 100 Jahre alte Story ins heutige Berlin passt, aber das verzeihen wir für die Authentizität. Ansonsten alles aber sehr frisch und modern mit Smartphones und E-Scootern, Mietenwahnsinn, Diversity… Der Liebste und ich haben einige Nostalgie- und sehr viele Lach-Momente (die meisten davon haben mit Pony Hütchen und Gustav – ohne Hupe – zu tun) und vergleichen innerlich mit dem Buch. Das Teilzeitkind hat das Buch zwar auch in der Schule gelesen, die Verfilmung von 2001 war aber definitiv eindringlicher, so gibt es später bei der vergleichenden Auswertung die ein oder andere Irritation.

Nach dem Kino gehen wir Malatang essen und obwohl ich diesmal aufpasse und deutlich weniger auflade als in München letztes Wochenende, schaffe ich meine Portion nicht ganz. Diesmal kann ich die Reste aber mitnehmen, also alles nicht so deep.

Dann verabschieden wir uns und ich nehme den gleichen Weg zurück, komme diesmal aber nicht zum Lesen, weil um mich herum sehr viel Berlin stattfindet, inklusive eines sichtlich nicht nüchternen Mannes, der Zahnschmerzen hat, sich in der U-Bahn eine Zigarette anzündet und sich lieb mit einem noch weniger nüchternen Mann unterhält, der ihm immer wieder Wodka Cola und später eine Ibu 600 anbietet. Die Dialoge der Beiden sind filmreif, ich hoffe, er geht morgen zum Zahnarzt.

Als ich wieder auf meiner Couch bin ist es nach halb 10. Ich lerne noch ein paar neue Dinge über BeReal. So ist das, wenn neue Leute dazu kommen, die das nicht so machen, wie „wir“ das schon „immer“ gemacht haben, ich zum Beispiel seit viereinhalb Jahren): Man kann sich da jetzt DMs schreiben und man kann auch wenn man schon alle BeReals des Tages gepostet hat auf den direkten Kanälen weiter welche schicken und auch welche anfordern. Na sowas. An sich natürlich praktisch aber erstens defeated das natürlich den purpose und zweitens ist das dann die nächste App, die für den üblichen Social-Media-Schindluder (im positiven wie negativen) genutzt werden kann und geht also den Weg aller neuen Menschheitserfindungen.

Kurz nach 10 letztes Liebstentelefonat des Tages und dann geht es ins Bett.

31.10.2026 – Fhain, Demo, Halloween und Wochenende halt

Die Kombination von spätem Schlafen, frühem (nicht benötigtem) Wecker und umtriebigen Mitbewohnerinnen (Noosa, die menschliche Mitbewohnerin und ich waren alle drei jeweils mindestens zweimal unterwegs) sorgt für ein ausgeprägtes Schlafmangelgefühl am Morgen. Ich habe nun aber ja das gestrige Zusammensein auf heute Morgen verschoben und dann ziehe ich das natürlich jetzt auch durch. Der Reboot dauert trotzdem besonders lange und mittendrin melde ich schonmal an, dass ich mich verspäten werde. Sei‘s drum, die Lichtenberger Freundin ist sehr auf Selfcare, Grundbedürfnisse und so gepolt und von daher ist alles kein Problem.

Ein Problem ist der öffentliche Nahverkehr, als ich etwa zehn Minuten später als angedacht die Wohnung verlasse. Auf dem Weg zur S-Bahn fährt ein SEV-Bus an mir vorbei und mir schwant übles. Der Blick in die App bestätigt: Auf der Strecke, die eigentlich unter 15 Minuten benötigt, gibt es einmal Pendelverkehr und einmal Ersatzverkehr mit Bus. Nicht mit mir! Ich entscheide mich für den längeren aber bequemeren Umweg und steige in die Straßenbahn. Direkt beim Einsteigen fällt mir auf, dass sie nicht die komplette Stammstrecke fährt, sondern zwischendurch abbiegen wird und ich dann noch eine U-Bahn brauchen werde, bevor ich in die S-Bahn steigen kann. Immer noch besser als Busfahren, sage ich mir. Insgesamt komme ich dann also nicht 10, sondern eher 25 Minuten zu spät, aber this being Berlin ist das ja immer noch alles Jammern auf hohem Niveau.

Wir beginnen die Runde vor dem Café, weil drinnen noch kein Platz ist. Zum Glück regnet es nicht. Ich trinke Cranberry-Orangen-Soda und wir teilen uns eine Variation von Eggs Benedict, weil es für die Freundin schon das zweite Frühstück ist und ich wenig später zum Mittag verabredet bin. Mittendrin können wir dann nach drinnen an einen Tisch wechseln und dann wird es richtig entspannt und gemütlich.

Wir erzählen uns unsere letzten Wochen und spazieren dann noch gemeinsam zum Markt auf dem Boxi, wo es einen Stand mit handgefertigten Dominosteinen in diversen Variationen gibt. Ich entscheide mich für die klassische Variation (Marzipan und Gelee) with a twist, nämlich mit Kirschwasser. Außerdem kaufe ich noch Kekse, die danach schreien, mit dem Teilzeitkind geteilt zu werden. Wir plauschen noch mit der Verkäuferin über die neuen gesetzlichen Regelungen zu Kassensystemen und dass es spannend wird, ob diese einen Berliner Winter im Freien überstehen.

Dann verabschieden wir uns und ich laufe zur Karl-Marx-Allee, wo ich mit einer Kursteilnehmerin in einem balinesischen Café verabredet bin. Eigentlich soll es dort samstags Pop-up-mäßig Mittagessen geben, aber heute wohl nicht. Wir bestellen also herzhafte Kleinigkeiten und Kuchen und ich trinke einen Hojicha (gerösteten Grüntee) mit Sesampaste. Sehr lecker!

Pandang Basque Cheesecake, Veggie Frisole, Hojicha mit Sesampaste und Hafermilch

Die Unterhaltung ist ganz anders aber doch genauso entspannt und vertraut wie mit der langjährigen Lichtenberger Freundin – der Kurs hat uns alle schon sehr arg zusammengeschweißt und meine Sicht auf das Kennenlernen von Menschen nochmal bestätigt: Man kann fast jede(n) mögen, wenn man sich ausführlich und tief genug mit ihnen beschäftigt. Klappt natürlich nur, wenn das Gegenüber sich auch darauf einlässt und mitmacht, also eher nicht mit Menschen aus dem anderen politischen Spektrum zum Beispiel, die meist kein Interesse an persönlicher Begegnung haben.

Aber ich schweife ab, wir unterhalten uns wunderbar und planen schon nächste Treffen und für etwaige Mitlesende, die sich angesprochen fühlen – in beiden Gespräczeb wurde ein möglicher baldiger Karaoketermin eruiert, zwinkizwonki…

Dann muss mein Gegenüber zurück an die Arbeit und ich nehme die U-Bahn zum Brandenburger Tor, mal nach den jugendlichen Randalierer*innen von der Gen Z gucken, aufpassen, dass kein Quatsch über sie verbreitet wird und mich zählen lassen.

Wie erwartet geht alles sehr gesittet zu, es sind gar nicht mal soooo viele Menschen da und alle wirken fast ein bisschen zu friedlich und entspannt. Ich laufe einmal rum, mache Fotos der schönsten Plakate und fahre dann mit zwei U-Bahnen und Straßenbahn zurück in den Pberg.

Ich muss nämlich noch schnell Süßigkeiten kaufen, bevor die Gen Alpha vermummt durch die Nachbarschaft zieht und Plünderungen androht. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang komme ich vollgepackt nach Hause und lege mich erstmal hin. Eine gute Stunde Tiefschlaf, dann klingeln mich die Nachbarskinder wach und verlangen Süßes sonst gibt’s Saures. Boah sind die wieder niedlich und glücklich, dass ich was habe.

Dann mache ich mir einen Stullenteller zum Abendbrot und starte in einen Couch-Abend, während sich meine Gen-Z-Mitbewohnerin für ihre Halloween-Party fertig macht. Es gibt ein Tarantino-Motto und sie geht als Mia Wallace, mit Perücke und allem.

Zum Glück sind die Gen Alphas früh genug fertig und meine Mitbewohnerin geht spät genug los – beide geraten nicht in die zweite, Trittbrettfahrenden-Demo heute Abend, bei der vor allem die Free-Palestine-Bubble und eventbetontere Linke auf eine weniger entspannte Polizei treffen, was unweit meiner Wohnung kurzzeitig ein bisschen – aber immer noch total in Maßen – eskaliert. In Frankfurt sah es da ein bisschen anders aus, sagen die Medien. In Berlin hingegen können alle morgen ihre Spanplatten wieder abnehmen, mit besonders viel Scham hoffentlich die Luxusgeschäfte am Ku‘damm, kilometerweit entfernt von Kundgebungsort UND Demoroute. Ich hätte dann auch gerne noch Entschuldigungen der panikschürenden Medien und Parteienvertreter*innen, die das Ganze für ihre Zwecke missbraucht haben, vor allem von dem mit der Rehaugenvorliebe.

Auf LinkedIn lese ich einen irritierenden, offensichtlich mit KI geschriebenen Beitrag von einem Menschen, der beruflich was mit KI macht, der sich darüber beschwert, dass er am heutigen Feiertag (offensichtlich lebt er nicht in Berlin) nicht einkaufen, aber Menschen demonstrieren dürften. Dabei seien Feiertage doch für Gemeinschaft und Harmonie da und nicht um die Gesellschaft zu spalten. Es juckt mir in den Fingern, ihn a) für den schlechten KI-Stil zu beschämen, ihm b) vorzuwerfen, dass er anregt Grundrechte einzuschränken und c) die Geschichte des Reformationstags zu erklären, an dem sich Martin Luther eben nicht zum Kuscheln mit seinen Kirchenkollegen getroffen hat. Aber erstens ist LinkedIn ein berufliches Netzwerk und zweitens soll man ja keine Interetdiskussionen vom Zaun brechen, weil jemand Unrecht hat, das endet selten gut oder konstruktiv.

Dann höre ich noch sehr interessiert Podcasts – Lukas Rietzschel bei Ostwärts, Felix Banaszak bei Anne Will. Mit Beiden stimme ich in vielem überein und in manchem nicht, aber ich mag die Art und Weise, wie sie ihre Ansichten formulieren und erklären. Lohnt sich!

Podcasts kann man übrigens sehr gut in der Badewanne hören, bei handgemachten Doministeinen und als Einstimmung fürs Schlafengehen!

30.10.2026 – Freitag

Ich bin dann doch erstaunt, wie sehr ich mich freue, dass Freitag ist. Dabei empfand ich die Woche gar nicht als besonders anstrengend oder stressig. Möglicherweise fehlte mir nach München das eigentliche Wochenende, vielleicht habe ich auch zu wenig zusammenhängend geschlafen und evtl. ist vieles am neuen Job einfach immer noch aufregend. Dazu kommt das voreilige Novembergrau draußen – es reicht. Ich bin ganz froh als sich herausstellt, dass die angedachte Abendverabredung für heute sich unkompliziert auf Frühstück morgen verschieben lässt und bleibe heute im Schlafanzug.

Dafür gibt’s extra viel Engagement an der Frühstückszubereitung mit „Tee, Earl Grey, heiß“ und Porridge mit Kokosöl, Cox-Orange-Apfel, Zimt, Walnüssen und Ahornsirup.

Der Arbeitstag lässt sich entspannt an, es gibt nur ein geplantes Meeting (mit Frankfurt) und ein spontanes (mit München), ansonsten bereite ich in aller Ruhe Dinge vor, die ich nächste Woche brauchen werde und organisiere eine unverhoffte und ungeplante Bürosituation nächsten Donnerstag (zusätzlich zu Dienstag).

Zum Mittag gibt es den Rest Bánh Mi von gestern und dann wechseln Noosa und ich mit dem Laptop schon mal ins Soft Office auf dem Sofa. Der zweite Bildschirm wird nicht mehr benötigt, das ist sehr angenehm.

Ich mache dann pünktlich Feierabend, gerade nachdem die Sonne untergegangen ist, was aber wegen der Wolkenlage auch völlig untergegangen ist. Freitag, Sonnenuntergang, Feierabend und Aperitivo Hour ist auch. Ich brainstorme kurz mit mir selbst und mache mir dann einen dem Wetter und der Situation angepassten Sundowner inspiriert vom letzten Hiddensee-Trip – mit Rum, Sanddorn-Vanille-Likör, einem Schuss Johannisbeersirup für Farbe und Süße, Eis und Sprudel.

Und dann nehme ich mir diesmal sofort mein Buch vor und mache schlürfend erstmal ordentlich Strecke. Das Buch ist nicht leicht zu lesen, weil es ein langer, mäandernder Monolog ist, mit vielen unwichtigen Details und dazwischen dann wieder spannenden Aspekten. Spannend auch, weil es eben in den 40ern geschrieben ist und trotzdem sehr modern klingt. Und weil ich ständig Parallelen ziehe zur Situation von Menschen auf der Flucht heute, mit Schrecken, Bürokratie, Unsinnigkeiten, Banalitäten, sehr viel Warterei und Ausgeliefertsein. Erstaunlich, wie viel einfacher man (ich) sich hineinversetzen kann, wenn es um weiße Europäer*innen geht. Und dann das Weiterdenken in eine Zukunft, in der das auch für mich theoretisch relevant werden könnte… Zwischendurch muss ich ständig Sachen googlen und kein Wunder, dass ich so langsam vorankomme.

Die Cremigkeit (wundervolle Wortschöpfung von Mek) vom Sundowner hilft zumindest, sich direkt ins Wochenende fallen zu lassen und nicht mehr über die Arbeitsthemen nachzudenken. Gegen 19 Uhr lege ich das Buch beiseite und koche mir ausführlich eine scharfe Tomatensauce zur Pasta (Linguine, es gibt nicht mehr genügend Spaghetti). Basierend auf Marcella Hazan, aber ich packe zu Butter und Zwiebel noch eine Chilischote und ordentlich Basilikum. Am Ende hole ich dann weder raus noch püriere ich, sondern ich bemühe die Flotte Lotte. Ordentlich Sauerei in der Küche, aber sehr wohlschmeckend.

Beim Kochen und Essen höre ich Podcast, dann gibt es nochmal ein ausführliches Telefonat mit Liebstem und Teilzeitkind, bevor ich noch ein paar Seiten lese. Schnell aber gebe ich dann auf und beriesele mich lieber noch mit Musik, YouTube und TikTok. Als es dann ins Bett geht, ist es schon wieder Mitternacht, als mein Kopf bereit zu schlafen ist bereits gegen 2. Upsi.

29.10.2026 – Ahjo

Es ist ja immerhin nicht so, dass ich derzeit gar keinen Schlaf kriegen würde, nur der richtig gute ist halt relativ kurz und die Nacht insgesamt ziemlich früh vorbei. Tatsächlich habe ich aber schon viel schlimmere Phasen gehabt, Klagen ist also unnötig.

Heute trotzdem ziemlich langsamer Morgen samt Reboot, das echte Aufstehen besorge ich erst nach gemütlicher erster Arbeitseinheit mit Schlumpfklamotten, Ostfriesentee, Apple-Crumble-Müsli und Trauben und einem entspannten Nach-Urlaubs-Update-Meeting mit einer Kollegin in Frankfurt.

Nach dem Wechsel in ernstzunehmende Klamotten und zusätzliche Wachheit durch spätere Uhrzeit klappt es dann auch mit den Tätigkeiten, die mehr Hirnschmalz erfordern. Zum Mittag dann geht es in den Streetfoodladen um die Ecke, aber nicht alleine, sondern mit einer Berliner Kollegin, das ist also nicht nur lecker, sondern auch produktiv und überaus angenehm. Ich esse ein Bánh Mi mit Cheese-Steak-Füllung (die Hälfte davon, den Rest gibt’s morgen) und einen Mango-Yuzu-Cheesecake und trinke Yuzu-Limonade.

Wieder zuhause dann ein Meeting mit Hamburg, dann wieder Textarbeit, dann ein Meeting mit Columbus, Ohio und dann ist der Arbeitstag vorbei. Praktikantin Noosa hat sich in allen drei virtuellen Meetings sehr hervorgetan und Sympathiepunkte für mich und sich eingesammelt und erwartet mich jetzt auf dem Sofa.

Ich koche aber erstmal noch ein Süppchen aus dem Rest Kürbis von gestern, einer kleinen Birne, einer großen Kartoffel, Ingwer, Kurkuma, Kokosöl, Gemüsebrühe, Kardamom, Koriander und Cumin, dazu als Topping schwarzen Sesam.

Ich höre Podcast zum Essen, telefoniere mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind und dann ist es Zeit für ein weiteres Meeting, diesmal mit dem Brüderchen. Eine Stunde Papierkram und Live Updates und dann gibt es einen kleinen Rest Weißwein zum erfolgreichen Abschluss der diesjährigen Beschäftigungen mit dem Finanzamt.

Das Internet redet über Elif Eralp und Patrick Stewart und ich rede mit und dann ist es plötzlich schon wieder nach 10 und ich habe wieder keine Buchseite gelesen und jetzt ist es auch zu spät und dann daddel ich halt noch weiter vor mich hin und höre noch einen Podcast und, ups, schon nach Mitternacht. Ab ins Bett!

28.10.2026 – Verzögerungen im Betriebsablauf

Die Nacht ist so, wie die Nächte gerade sind, aber das Homeoffice verzeiht da ja vieles. Nach ausgiebigem morgendlichen Reboot finde ich mich rechtzeitig mit Frühstück am Schreibtisch wieder. Es gibt heute Weißbrot mit Erdnussmus und Quittengelee, Birne, Trauben und eine ganze Teekanne voll London Fog – immer noch mit Vanillezucker, weil ich noch keinem Vanillesirup über den Weg gelaufen bin.

Der Arbeitstag hat eine gute Mischung aus Meetings (drei) und Stillarbeit für mich parat, Noosa ist besonders im Teammeeting sehr präsent und lockert mit Begeisterung die Stimmung auf.

Mittags gibt es mehr Stullen – mit Avocado-Kichererbsenaufstrich, veganem Pastrami und Emmentaler, dazu Karotte. und immer noch Tee.

Ab dem Nachmittag immer mal wieder Zwischenstände von Liebstem und Teilzeitkind, die im Mietwagen nach Westen unterwegs sind, was staubedingt heute keine Freude ist.

Zum Feierabend ziehe ich mit Sporttasche los und erlebe dann mein eigenes Verkehrsdesaster als die S-Bahn erst zu spät kommt und uns dann nach einer Station wieder herauswirft wegen Schaden am Zug. So würde ich meinen Sportkurs verpassen und laufe also wieder nach Hause, nicht ohne dem Liebsten am Telefon davon zu berichten, bei dem sich der Stau gerade endlich auflöst.

Zuhause mehr Tee (jetzt nur noch Minze) und Überlegungen zum Abendbrot. Weil der Ofen immer noch unbenutzbar ist, backe ich Kürbis im Speiseföhn, dazu gibt es selbst gemachten Kräuterquark und ordentlich Knoblauch.

Dabei und danach höre ich die neue Folge Hotel Matze mit Stefanie Kloß und hänge diversen Gedanken und Assoziationen nach. Zur alten „Heimat“ und der Situation dort (Ich bin emotional da viel abgenabelter als sie, aber ob das so gut ist?), zu Erinnerungen an die Schulzeit und wie sie sich zeitlich in ihre Biographie einordnen lassen (die Runde auf dem Schulhof vor 30 Jahren, ich in der 6. oder 7. Klasse, sie ein Jahr jünger), die Projekttage mit dem Hund von Baskerville, ihr Auftritt auf der Schuldisko (oder Talentwettbewerb?) mit Never Ever, ihre Kunst-Jahresarbeit mit Gitarre und CDs, die danach noch lange im Schulhaus hing, mein letzter Schultag, als wir zusammen das damals aktuelle Soloalbum von Farin Urlaub gehört haben. Schon verrückt, dass ich heute viel mehr über sie weiß als damals.

Ich war auch dabei, als sie noch unter altem Namen aber schon mit späteren Hitsongs einen Bandwettbewerb gewonnen haben und es irgendwie komisch und kitschig fand, dass sie jetzt auf Deutsch singt. Little did I know. Dann ging es richtig los mit der Karriere und ich habe in Rostock den halben Chor überredet, teure Tickets für Jeanette Biedermann zu kaufen, um die Vorband zu supporten. Da haben wir uns noch per E-Mail für hinterher verabredet. Genauso wie etwas später bei einem Konzert in Warnemünde.

Nicht getroffen haben wir uns bei einem Konzert in der alten Heimat, das als Geheimgig unter altem Namen stattfand. Über das habe ich aber damals, vor 20 Jahren, gebloggt, was dann dazu führte, dass ich den Indiejungen wieder traf und dann mit ihm gute zwei Jahre zusammen war. Huch.

In Berlin habe ich sie dann auch noch zweimal getroffen, beide Male per Zufall, aber sie wusste beim zweiten Mal noch, wo ich beim ersten Mal gearbeitet habe und fragte, wie das so läuft. Danach dann nur noch im Fernsehen und einmal von weitem bei einem Konzert, obwohl sie eine Zeitlang nicht weit von hier wohnte und mit einer Kollegin von mir im gleichen Geburtsvorbereitungskurs war.

Aber: Immer, wenn sie öffentlich den Mund aufmacht, sagt sie ziemlich coole Sachen und das ist sehr schön und ich könnte das auch gerne so gut.

Jedenfalls, gedanklich geht es beim Hören weit in die Vergangenheit und höre dann auch noch ein paar Songs, alte und aktuellere Kollaborationen zu politischen Themen. Und dann ist irgendwie mein Zeitfenster für aufmerksames Lesen schon wieder verflogen. Ich versuche es nochmal kurz, als ich später im Bett liege, aber keine Chance. Leicht schlechtes Gewissen dem Buch gegenüber, aber das war trotzdem eine sehr lohnenswerte Abendbeschäftigung.

27.10.2026 – Büro, Familie, Doku

Noosa ist noch nicht im Winterschlafmodus angekommen, ich hingegen schon, wobei es da vermutlich kausale Zusammenhänge gibt. Letztes Aufwachen wieder kurz vor Wecker, morgendlicher Reboot, am Ende ein bisschen Hektik mit dem Loskommen Richtung Büro. In schönstem Oktobersonnenschein telefoniere ich mit dem Liebsten, während ich zur S-Bahn laufe, aber für den Weg über den Fluss nehme ich aus Zeit- und Müdigkeitsgründen heute die S-Bahn. Im Büro angekommen gibt es den guten Kaffee und Hafermilch in mein mitgebrachtes Tiramisù-Müsli mit geriebenem Apfel.

Neben der Arbeit einiges an Kolleg*innenplausch und dann das offizielle Bürofrühstück, heute schön süß und fruchtig.

Zu dem einen in meinem Kalender angezeigten Meeting kommen im Laufe des Tages noch drei andere hinzu, eins spontan, zwei weil sie aus technischen Gründen nicht im Kalender waren. So meete ich heute mit Frankfurt, Hamburg, Heidelberg, New York und Austin, trinke dabei Kaffee, Cola oder Mate und schaue immer wieder hinaus auf den Fluss, auch beim Mittagessen mit Resten von gestern.

Zum Feierabend verlasse ich mit einer Kollegin das Büro und werde unten von einem jubelnden Empfangskommittee begrüßt. Der Liebste und das Teilzeitkind holen mich zum Abendessen ab. Das Teilzeitkind kam gestern aus dem ersten Ferienteil zurück und morgen brechen die beiden gemeinsam zum zweiten auf. Dazwischen passen ein gemeinsames Essen und die Übergabe eines Adventskalenders ans Teilzeitkind, noch mehr Jubelei.

Tajine mit Lamm, Pflaumen, Aprikosen und Couscous, Guavensaft mit Hibiskustee

Wir essen marokkanisch und bekommen lauter Urlaubserlebnisse erzählt, das Kind sprudelt geradezu über, ist schon wieder gewachsen und hatte offensichtlich eine gute Zeit, sehr schön. Nach dem Essen geht es wieder in den Pberg bzw. nach Südberlin. Ich verfrachte mich mit Tee auf die Couch, Noosa nimmt auf mir Platz und dann schauen wir noch The One About Matthew Perry, mit ein bisschen lachen und viel schlucken müssen. Zwischendurch schlafe ich auch schon fast wieder ein, werde aber durch ein letztes Liebstentelefonat nochmal ausreichend wach, um durchzuhalten. Danach aber flugs ins Bett!

26.10.2026 – Montag

Nach diesem Wochenende fühlt sich ein Montag noch ein bisschen schwerer an. Der Anfang geht noch, der ist eingeübt. Mehrfach nachts mit der überkuscheligen Katze schimpfen, vor dem Weckerklingeln endgültig aufgeben, morgendlicher Reboot, irgendwann aufstehen, Frühstück machen und an den Schreibtisch.

Maple Sirup Latte, Pumpkin-Spice-Latte-Müsli mit reifer Birne und Schwarzkirschkompott

Am Schreibtisch muss ich dann erstmal ganz hart in mich gehen, überliegen, wie ich heiße, was ich arbeite und was diese ganzen Tools eigentlich machen, die da auf dem Laptop sind. Dann geht es aber auch bald wieder und ich mache mich an Nachbereitung der Dienstreise, Strukturierung der Woche und Vorbereitung anstehender Themen, mit schöner Musik auf den Ohren.

Mittags gehe ich raus, Sonnenlicht einfangen und ein paar Besorgungen machen. Der Drogeriemarkt hat zum Glück auch eine neue Teekanne für mich, die andere war neulich zu Bruch gegangen. Im Supermarkt bekomme ich unverhofft Katzengras, so dass ich mir einen zusätzlichen Weg spare. Nur der Vanillesirup steht immer noch untätig auf dem Einkaufszettel, da muss ich demnächst nochmal zum Getränkespezialisten, damit ich mir richtigen London Fog machen kann jetzt im Herbst.

Während ich mir Mittagsstullen schmiere ruft der Liebste an und hat die schon seit Tagen erwartete traurige Nachricht bekommen. Danach arbeitet es sich nochmal etwas langsamer und nachdenklicher.

Vielleicht letzte gute Trauben der Saison, lila Karotte, Brot mit Avocado-Kichererbsenaufstrich, Brot mit Butter und veganem Pastrami

Am Nachmittag außerdem zweimal berufliche Beschäftigung mit trans Themen – einmal schön, einmal nicht so schön – ein spontaner Call mit einem Kollegen in Frankfurt und eine spontane Verabredung für später in der Woche mit einer Kollegin in Berlin. Dann irgendwann pünktlicher Feierabend und Nach-München-Reboot der Wohnung.

Koffer auspacken, Wäsche waschen, Katzenklo reinigen, Katzenbrunnen reinigen, Katzennnäpfe reinigen, Aufräumen, Spa-Räucherstäbchen entzünden.

Zum Abendbrot koche ich mir eine Variante vom kaltmamsellschen Süßkartoffel-Mac-n-Cheese mit Süßkartoffel, Zwiebel, Mehlschwitze, Salz, Pfeffer, Thymian, Mezze Rigatoni und eingerührtem geriebenen Mozzarella. Nicht überbacken, weil der Backofen seit langem unbenutzbar auf Reinigung wartet (nicht durch mich). Schmeckt aber auch so sehr gut.

Die Hälfte esse ich gleich, die andere Hälfte nehme ich morgen mit ins Büro. Zum Essen gibt es den Rest von Nobody Wants This (Ich finde diese Staffel tatsächlich besser als die zweite), danach Badewanne mit Bücherpodcast. Hinterher wäre dann eigentlich noch Lesezeit, aber bei einer letzten Runde durchs Internet stoße ich auf Som Doma, eine Doku über queeres Leben in der sorbischen Niederlausitz und dann gucke ich eben die zum Einschlafen. Das dritte trans Thema heute, das fügt sich doch gut. Und schön, dass es mal nicht nur um Trachten und Bräuche geht (aber auch), sondern auch um Politisches und Jugendkultur.

25.10.2026 – Nach Berlin

Der gestrige Tag war so intensiv, dass ich unruhig schlafe, wenn ich schlafe wild träume und zwischendurch auch einfach wachliege. Den Wecker habe ich mir noch auf 10 neue Zeit gestellt (was kurz vor 2 neue Zeit eine beachtliche Hirnleistung darstellte), aber endgültig wach bin ich dann doch schon gegen 8 (neu). Das gibt mir Gelegenheit, den ersten Teil des morgendlichen Reboots (Internet leer lesen, Bloggen, mit dem Liebsten telefonieren) abzuschließen, mich anzuziehen und gegen 10 beim Hotelfrühstück zu erscheinen, das wirklich ziemlich gut ist. Da das Hotel Italienisch geführt ist, gibt es guten Aufschnitt, gute Cornetti und der Obstsalat ist saisonal und auch sonst gibt es eine große Auswahl. Ich nehme ungefähr einmal alles, inklusive eines zelebratorischen Frühstückssekts und schicke ein Foto an den Liebsten und das Teilzeitkind.

Daraufhin schickt das Teilzeitkind, das ebenfalls gerade beim Hotelfrühstück sitzt, ein Fotos mit jeder Menge Kohlenhydraten inkl. Churros zurück und der Liebste, der bis dahin mit einer Tasse Kaffee im Bett lag, rafft sich auf und bastelt sich ebenfalls einen ansehnlichen Frühstücksteller. Gemeinsame Mahlzeit über Länder- und Zeitzonengrenzen hinweg, wie schön.

Ich brauche etwa 40 Minuten, um alles aufzuessen und auszutrinken und dabei die täglichen Rätsel zu lösen. Dann geht es zurück aufs Zimmer, Koffer packen und Französisch und Italienisch üben. Kurz vor 12 checke ich aus und rollkoffere zum Bahnhof. Ursprünglich wollte ich noch bei der von der Kaltmamsell empfohlenen Bäckerkette Brezn für die Rückfahrt kaufen, aber das hätte hin und zurück nochmal eine halbe Stunde mehr Regen bedeutet. Also stelle ich mich bei einer anderen sehr präsenten Bäckerkette direkt im Bahnhof an, kaufe einen Butterring und einen Kirschplunder und hocke mich dann in Gleisnähe auf meinen Koffer.

Die Bahn-App überschlägt sich gerade zu mit Schreckensmeldungen zu meinem Zug. Im ersten Schritt heißt es, dass ein Zugteil fehlt, nämlich genau der mit meinem reservierten Platz. Dann wird die Zugbindung aufgehoben, aber nur bis Nürnberg, so dass ich keine der früheren (verspäteten) Verbindungen nach Berlin nehmen kann – ein Ticket dafür würde mich spontan 400 Euro kosten oder gar nicht mehr verfügbar sein. Ich stelle mich also auf eine chaotische Fahrt ein, evtl. im Gepäcknetz. Dann kommt die Info, dass der zweite Zugteil in Nürnberg angehängt würde. Na immerhin.

Als der Zug eintrudelt laufe ich ganz nach hinten, in der Hoffnung auf mehr freie Sitzplätze dort als am Kopf und habe Glück – ich komme an einem für Bonuskund*innen reservierten Platz zu sitzen. Um mich herum zetert eine Gruppe von aufgeregten Seltenreisenden sehr laut. Eine andere Mitfahrerin erklärt ihnen ruhig, dass sowas eben manchmal vorkommen könnte, vielleicht sei ja jemand vom Personal krank geworden und man könne ja trotz aller Unbill respektvoll bleiben. Der lauteste Zeterer antwortet, dass wenn man zu viel Respekt zeige, nur Schindluder getrieben würde.“ Das ist dann der Moment, meine Noise Cancelling Headphones aufzusetzen und mich auf mein Buch zu konzentrieren. Darin finde ich die schöne Stelle „Ich nahm ihm viele Minuten Einsamkeit ab durch die Möglichkeit einer längeren Erklärung“, die ich umgehend zur zukünftigen Anwendung notiere.

In Nürnberg steige ich um, muss dabei einmal auf dem Bahnsteig den ganzen Zug entlang laufen, weil der neue Teil doch am anderen Ende angehängt wird. Dann laufe ich im Zug noch bis ganz nach hinten, in den Wagen, wo mein eigentlich reservierter Platz wäre. Die Reservierungen sind längst aufgehoben, aber der Platz ist frei und jetzt sitze ich im Ruhewagen am Fenster, das ist deutlich angenehmer.

Ich esse meinen Kirschplunder, es ist ja quasi Kaffeezeit, lese noch ein bisschen und dann fallen mir die Augen zu. Ich höre Musik und lasse mich zwischen Franken und Thüringen sanft in den Schlaf schaukeln.

Dann wache ich rechtzeitig für schönen Thüringer Herbstwald wieder auf.

Nochmal schlafen bis Bitterfeld, dann bleibe ich wach, begucke mir den vollen Jägermond und verfolge auf Mastodon, wie die anderen Blogmenschen den gestrigen und heutigen Tag erlebt haben.

Fast pünktlich erreichen wir dann Berlin und ich nehme von Gesundbrunnen die S-Bahn nach Hause, hole noch ein Päckchen bei der Nachbarin ab und lasse mich dann ausführlich von Noosa begrüßen, die mich sichtlich vermisst hat.

Aus dem Briefkasten habe ich außerdem eine Karte vom Nordpol gefischt, über die ich mich sehr freue.

Ich esse meinen Butterring, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und lasse dann die neue Staffel Nobody Wants This laufen, die genau das nötige Level an Banalität und Gefühl hat, um das Hintergrundrauschen für weitere Nachberichterstattung zu liefern:

Die Lesung hat anscheinend wieder eine kleine Tagebuchbloggen- und Blogkommentierenwelle ausgelöst… Wie schön!

Gegen 23 Uhr reiße ich mich los und versuche, langsam schlaffähig runterzukommen. Morgen ist wieder Arbeit dran.

24.10.2026 – München Tag 3 – XXL

Zwar mit mehreren Unterbrechungen aber immerhin fast bis 9 geschlafen, damit lässt sich doch arbeiten! Der gemütliche morgendliche Reboot im Bett zieht sich, ich habe endlich mal Zeit. Als ich aufstehe, ist es halb 12, bis ich im italienischen Café ein paar Straßen weiter sitze, 12.

Cornetto all‘albicoccha, spremuta d‘arancia, caffè latte al pistacchio

Heute nur kleines Frühstück, ich habe kulinarisch noch einiges vor in den nächsten Stunden. Als das Cornetto aufgegessen bzw. in Krümeln großflächig auf Hose, Shirt und Sitzbank verteilt, lese ich zu den Getränken noch etwas in Anna Seghers Transit, jetzt hat es sogar schon ein wenig Plot (keine Kritik, ich bin immer noch in Kapitel 1, ich schlafe nur immer so schnell ein beim Lesen).

Nach dem Frühstück schreibt der Münchener Himmel blauweiße Geschichten und ich lasse mich treiben. Ah, das ist das Lenbachhaus, über das ich schon oft in Blogs las, da der Königsplatz, das NS-Dokumentationszentrum, die Residenz, der Hofgarten…

Weiße Rose und so

Ich denke, ich müsste mich nochmal ausführlicher mit Münchener Geschichte befassen, vor allem mit der Räterepublik und dem Drumherum.

Dann laufe ich weiter zum und in den Englischen Garten und muss ganz viel an das letzte Mal denken, als ich hier war. Das ist jetzt zwölf Jahre her und war mit vier Freundinnen, von denen inzwischen nur noch eine in meinem Leben ist, was ich mir damals so nie hätte vorstellen können. Damals hatten wir gerade angefangen, jährlich gemeinsam Städetrips zu machen. München war der zweite, ein dritter fand schon nicht mehr statt.

Ist nicht das Tempelhofer Feld, aber schon auch ganz nett…

Zwischendurch setze ich mich auf eine Bank in die Sonne am Wasser und lese nochmal ein paar Seiten. Dann fühle ich mich bereit für die nächste Mahlzeit und laufe Richtung Uni und dann zu der Eisdiele, in der ich auf dem Trip vor 12 Jahren das erste Mal war, die ich schon vorher aus den einschlägigen Blogs kannte und in der ich auch auf meiner letzten Dienstreise nach München vor sieben Jahren eingekehrt bin. Obligatorisch quasi. Beim Rumlaufen an der Uni denke ich darüber nach, warum das nicht die Geschwister-Scholl-Uni ist und ahne, dass es dazu bestimmt mal Initiativen gab. Das mal recherchieren.

Erstmal aber Eis. Ich entscheide mich für drei Sorten (vor dem Teilzeitkind gab es immer drei, dann aus pädagogischen Gründen nur noch zwei); Kirschblüte, Grüner Apfel/Weißer Pfirsich und Birne/Aprikose sind es heute, dazu ein Probierlöffel Weißwurst, wir sind ja in München.

Nach dem Eis spaziere ich wieder Richtung Altstadt und hole mir am erstbesten Stand elf Maroni, die ich dann in der Fußgängerzone sitzend esse. Dabei denke ich an meine prägenden Maroni-Erfahrungen – die ersten gab es vor ziemlich genau 15 Jahren an einem sehr kalten Herbsttag mit meinen Eltern in Ljubljana, die prägendsten vor ziemlich genau neun Jahren bei einer Sagra auf Sardinien mit dem Hasen, dazu Rotwein aus Plastikbechern und Karaoke singende Sard*innen auf dem Dorfplatz.

Als Nächstes geht es wieder zurück in die Studentenstadt, in ein auf Google Maps als „cosy matcha café“ beschriebenes Lokal. Es macht seinem Namen alle Ehre, bis auf die sehr anstrengenden, lauten und sexistisches Zeig daherredenden studentischen Gäste (kein Gendern nötig), die allen Klischees von Münchener Schickeria entsprechen – dabei sind es laut Gesprächsinhalten Naturwissenschaftler, die kenne ich sonst anders.

Der Berry Matcha ist allerdings gut und ich versuche nebenbei zu lesen, was aufgrund der Gespräche um mich herum leider nicht so gut klappt. Dann ist es Zeit fürs Abendessen, ich gehe für Malatang in ein Lokal nochmal ein paar Meter weiter und lade meine Schüssel aus Versehen viel zu voll. Nächstes Mal dran denken, erst ganz zum Schluss und evtl. Nudeln hinzufügen! Die Knochenbrühe, Algen, Pilze, verschiedenen Gemüse und Muscheln und frittieren Tofuwürfel sind aber alle sehr lecker, ich schaffe nur leider maximal die Hälfte.

Denn jetzt ist es auch schon fast Einlasszeit bei der Bloglesung, die ja der eigentliche Anlass für diesen München-Ausflug ist. Als ich knapp zehn Minuten vor Einlass da bin, sammeln sich schon die Menschenmengen und ich fühle mich gar nicht so merkwürdig für meinen Enthusiasmus. Dann wieder das altbekannte Phänomen bei Treffen mit Menschen aus diesem Internet – alle begucken sich vorsichtig, versuchen herauszufinden, wer wer ist und während man noch niemanden zum Reden hat, guckt man verschämt in sein Handy, ob vielleicht jemand auch grad was zur Situation trötet.

Drinnen finden sich dann aber doch recht schnell Gesprächspartner*innen – einige zum ersten, einige zum wiederholten Mal, zum Glück kennt man mein Profilbild und mein Handle steht auf meiner Jacke, so dass es für mich gar nicht so schwer ist für manch andere, viel anonymer unterwegs Seiende. Es ist wirklich schön, so viele Leute plötzlich in echt zu sehen und dass das Fangirlen teilweise gegenseitig ist. Der überraschendste Moment ist, als eine mir unbekannte Blogleserin mir eine Schachtel Hallorenkugeln übergibt und mir von zeitgleich besuchten Konzerten berichtet, liebe Grüße nach Halle!

Die Lesung selbst ist natürlich genau so toll, wie erwartet. Hinterher kaufe ich mir noch das erste Buch von Frau Nessy und lasse es signieren, ihr neueres und das von Mek habe ich ja schon im Regal stehen.

Um zehn müssen wir dann aus der Location raus und der harte Kern (an die 40 Leute) zieht ins Wirtshaus nebenan weiter, wo ich das einzige Bier des Abends trinke und weitere alte und neue Bekanntschaften vertiefe. Als dort um Mitternacht auch Schluss ist, verteilt sich der noch härtere Kern (elf Leute) auf drei Taxis und fährt in eine sehr versteckte aber großartige Karaoke-Bar.

Meine erste Karaoke-Session nach sieben Jahren ist herausragend schön und ich kann anscheinend neben den Profis Herzbruch, Novemberregen und Frau Klugscheißer ganz gut mithalten. Größter Erfolg aber wahrscheinlich das zweifache Duett mit Mek zur Fickt-Euch-Allee…

Nach zwei Stunden läuft unsere Zeit in der Kabine ab. Der ganz harte Kern (sechs Leute) fährt dann mit weiteren Taxis in einen Club (und später noch eine andere Bar, wie ich am Morgen lese?), ich aber lasse mich am Hotel absetzen und bin im Bett, als es zum zweiten Mal 2 Uhr wird.

23.10.2026 – München Tag 2

Heute klingelt der Wecker später, weil ich erst ab 10 ins Büro reinkann. Wache natürlich trotzdem früher auf, aber jetzt halt mit mehr Zeit. Auch gut. Kompletter morgendlicher Reboot im Bett, dann tagfein machen, Koffer packen und mit genügend Ruhe das Frühstücksbuffet genießen.

Danach checke ich aus und rollkoffere auf der gleichen Strecke wie gestern zum Viktualienmarkt. Etwa eine Viertelstunde sitze ich im Treppenhaus und beschäftige mich schonmal mit E-Mails und Chats und dann kommt auch schon der Kollege mit dem Schlüssel. Wir machen es uns zu zweit gemütlich, haben Meetings zu zweit und alleine und ansonsten gibt es noch einiges zu tun und zu reden.

Mittags gehen wir indisch essen und ich nutze die Gelegenheit für Panipuri, hier Golgappe genannt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich bisher nur davon gehört habe, oder sie auch schon gegessen habe, es ist aber ein wirklich gutes Erlebnis – heiß und kalt, knusprig und weich, herzhaft und fruchtig, mild und scharf – alles dabei. Muss mal recherchieren, wo es das in Berlin gibt.

Zurück im Büro gibt es Nachmittagskaffee, gemeinsam ausgewählte Begleitmusik und weiteres Arbeiten, bis der Kollege zum Wochenendausflug aufbrechen muss und damit auch mein Wochenende einläutet. Ich rollkoffere in eine andere Richtung aus der Altstadt heraus in die Maxvorstadt und beziehe ein neues, diesmal selbst bezahltes, Hotel. Kurzes Ausruhen mit Liebstentelefonat, dann ist schon wieder Aufbruch zum frühen Abendbrot mit anderen extra für die Bloglesung nach München angereisten Menschen aus dem Internet.

Durch rostockerisch anmutende Straßen (Karlstraße, Augustenstraß) und hopfigen Braugeruch laufe ich zum Abendessen mit zwei Rostockerinnen (und einer Villingen-Schwenningerin (?)). Frau Hafensonne und Gattin kenne ich ja seit Jahren aus diesem Internet, die andere Teilnehmerin ist heute ganz frisch über Mastodon dazugestoßen und bloggt selbst nicht. Wir haben einen schönen Abend bei Tapas und allerlei Gesprächen über Städte, Studien, Politik, Filme und jede Menge Essen.

Danach sind wir alle sehr müde und kehren zurück in unsere Hotels. Ich beende noch The Diplomat (mit West-Wing-ähnlicher Rührung im Finale), dusche lange und ausführlich und schaffe dann tatsächlich 12 Seiten am Stück im neulich schon neu angefangenen Transit von Anna Seghers, bevor mir die Augen zu fallen.

–

Der Vollständigkeit halber und bevor ich die Kaltmamsell morgen wieder in echt sehe, meine Antworten zum von ihr neulich geworfenen Stöckchen:

1. Welches war dein erstes Stofftier und was verbindest du damit?

Ich bin nicht ganz sicher, welches das erste war. Es gab eine sehr kleine Katze, ursprünglich wohl mal hellblau gewesen, aber davon war nur noch ein leichter Schimmer übrig. Außerdem einen viel bekuschelten Teddy, der schon Vorbesitzer hatte und den ich irgendwann später erst Taotao genannt habe, nach einer Figur aus dem Fernsehen. Dann einen riesigen Affen, der aber eigentlich meinem Bruder gehörte und damit ich „was eigenes“ in der Größe habe, habe ich mir irgendwann nochmal ein Kuscheltier gewünscht und das wurde dann ein Gepard namens Fridolin Fleck.

2. Wie stelltest du dir als Kind dein Erwachsenenleben vor?

Ziemlich nah dran, an dem wie ich jetzt lebe und doch ganz anders. Ein Haus oder eine Wohnung mit Wänden voller Bücher, ein Beruf der am eigenen Schreibtisch stattfindet, einen Mann und Kinder. Das Ganze wahlweise in einer größeren Stadt oder halt in dem Haus mit riesigem Garten, in dem ich aufgewachsen bin.

3. Warst du ein eher leises oder eher lautes Kind?

Ich vermute da gehen die Meinungen auseinander. Ich habe sehr viel (und ggf. auch sehr laut?) geredet. Aber erst, wenn ich anfängliche Schüchternheit überwunden habe. Ich habe sehr laut Musik und Hörspiele gehört, aber auch stundenlang leise in der Ecke gesessen und gelesen oder Kopfhörer aufgehabt. Wer sich anders erinnert, möge ergänzen.

4. Gab es etwas in deiner Kindheit, das du heute sehnsüchtig vermisst?

Einfach raus in den Garten gehen und Äpfel, Birnen, Brombeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Mirabellen, Stachelbeeren, Tomaten pflücken. Wobei das heute teilweise auch noch geht, aber eben nicht in dieser Fülle und Nähe. Und der gut gefüllte Keller mit selbst gemachten Marmeladen, Kompotts und Säften. Und natürlich das Übliche: Weniger Sorgen, mehr im Moment leben.

5. Welches Verhältnis hattest du als Kind zu Musik?

Musik war immer präsent, meine Eltern und mein Bruder hörten viel Musik und ich dann natürlich auch, bei den Mahlzeiten und im Auto lief meistens das Radio (bei längeren Autofahrten Kassetten). Wir hatten immer Instrumente im Haus, auch wenn mein Umgang damit eher dilettantisch war. Es gab zwei Jahre lang Blockflötenunterricht, sechs Jahre lang Klavier, aber nie mit der nötigen Begeisterung, um wirklich gut zu werden. Mein erstes Mixtape habe ich mir mit acht oder so gewünscht, auf der einen Seite war Udo Lindenbergs Bunte Republik Deutschland, die andere Seite füllte mein Bruder mit gewünschten Songs (Ärzte, Hosen) und anderen, die er für wichtig hielt. Selbst bestimmte Musik fand für mich hauptsächlich auf Kassetten statt, meinen ersten eigenen CD-Player hatte ich erst mit 14. Also viel Überspieltes und aus dem Radio aufgenommenes… Ich hatte allerdings schon sehr früh einen Plattenspieler im Zimmer, für Hörspiele und Kinderlieder.